Meine Erfahrungen – Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch

Wie bereitet man sich auf ein Vorstellungsgespräch vor?

Garnicht

Als erstes muss ich euch gleich sagen: IRGENDWANN garnicht mehr! Ich bin wirklich irgendwann unvorbereitet in Gespräche gegangen. In manchen Meetings wusste ich gerade mal den Namen der Firma und was sie erzeugt.. Warum auch mehr? Ich bekam eh in fast jedem Meeting die Standardfragen, auf die ich fast immer passende Antworten hatte. Irgendwann hat man Routine.

Das mag wirklich banal sein. Aber die Anzahl der Personaler und Rekruter, die wirklich das „was wissen Sie von uns“ fragten, tendierten im unteren ein-stelligen %-Bereich!

Aber damit ich euch nicht ganz schockiere, möcht ich einfach kurz auflisten, wie es mir ergangen ist.

Kurze Geschichte der Bewerbungsphase und Personalgespräche / Vorstellungsgespräche

Nach meiner Ausbildung und gescheiterter Übernahme bin ich auf Job-Suche gegangen. Die Bewerbungsgespräche die ich führte, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen, sind schon Jahre her gewesen und waren lange nicht so stressig.

Damit ihr den Unterschied versteht: Die Gespräche, die ich hier notiere, sind alle nach meiner Ausbildungszeit passiert. Ich versuche sie einigermaßen chronologisch zu halten. Zeitweise hatte ich auch nen festen Job, wollte aber zu einer anderen Firma wechseln, zeitweise war ich arbeitslos . Die Gespräche sind also nicht alle an einem Stück passiert, sondern in einem Zeitraum von ca. 6 Monaten.

1. Gespräch

Ich saß vor 4 Leuten, die mich abwechselnd unterschiedliche Bereiche gefragt haben… Das war mein erstes Gespräch nach meiner Ausbildung. Mein erstes, richtiges, Bewerbungsgespräch für einen Job!

Personalführung, Geschäftsführung, Abteilungsleiter, Betriebsrat. Ein Kreuzfeuer an Fragen.

Das war schon sehr stressig!

Die unterschiedlichsten Fragen.

Ich war mies vorbereitet.Wusste zwar über die Firma bescheid, aber…

Ich hatte keine Routine in Personalmeetings. Wusste nicht, was auf mich zukommt.

Ich wusste auch nach der Ausbildung nicht genau, in welchem Bereich ich arbeiten möchte oder was mir Spaß macht.
Wichtig soll sein, dass ihr über eure Ziele bescheid wisst. Personaler sehen sofort, ob ihr euch nur bewirbt, um einen Job zu haben oder ob ihr euch AUF den Job bewirbt, weil ihr genau diesen Job oder diese Firma wollt!

WICHTIG. Und meine Lektion von damals war gewesen:

  • Mehr Routine durch Meetings bekommen.
  • Wissen, wo ich Jobmässig hin möchte.
  • Wissen was mir liegt und nicht liegt.

Ich hatte übrigens versucht nach jedem Meeting mir Notizen zu machen, was genau gefragt worden war. Jedoch war das wirklich in jedem Meeting unterschiedlich und kaum als „Schablone“ für andere Meetings zu gebrauchen.

Solitär die Standardfragen „Warum Sie, warum uns, was können Sie, stellen Sie sich vor, ..“ glichen sich doch.

2. Gespräch

Hier gab es kaum Standard-Fragen. Man musste sich nicht wirklich vorbereiten. Es wurde über die Firma berichtet und einem vertrauten Ton erzählt. Stressfrei. Sorglos. Nur leider passten die Firma (zu klein), Gehalt(schamhaft gering), Einsatzort(bundesweit), Aufgabengebiet und Tätigkeit nicht zu mir.. Also eigentlich passte garnichts. Nur der Kaffee war gut. Ich sagte ab.

Lektion:

  • Auch NEIN-Sagen können!
  • Auf das Bauchgefühl hören.

3. Gespräch

Teil a:) Dies war eine Firma, bei der ich arbeitete (kurzfristig). Das a-Gespräch war im normalen Ton. Standard-Fragen wie „Warum wir, wie ist ihre Zukunft, was interessiert sie, warum sollten wir sie nehmen“. Und Beschreibung der Stelle.

Nur die Frage „wie stellen Sie sich in 5 Jahren vor?“ kam mir mit Anfang 20 doch unpassend. Übrigens mit 25 weiss ich auch nicht, was in 5 Jahren mit mir sein soll!

Hörte sich alles einigermaßen ok an. Im B-Gespräch wurden die harten Fakten genannt: Genaue Tätigkeit, Vertragsrahmen, … Also auch hier: Vorbereitung nicht sonderlich notwendig. Nur locker bleiben!

4. Gespräch

Es gab drei Teile, a, b, c. Teil a: Allgemeine Infos, Bewerber etwas mit Standardfragen quetschen. Teil b: Gespräch mit Vorgesetztem und ehemaligem Bereichsleiter. Teil c: Gespräch mit Vorgesetzter und technischem Ansprechpartner (extern).
Auch hier: Vorbereitung nicht notwendig. Kleinere Standardfragen. Hauptsächlich suchten die jemanden, der zwar nicht alles können musste, aber nen guten Eindruck lieferte. Bei dieser Firma arbeitete ich auch. (Jedoch nur kurzfristig)

5. Gespräch

3 Gesprächspartner. Viel „gequetsche“, bohrende Fragen: „Warum wir, warum genau sie, was können sie besser als andere, ist ihnen das nicht so weit zu fahren, wir sind doch kaum größer als ihre alte Firma, können sie sich vorstellen eine Woche Probe zu arbeiten“. Tja. War sehr stressig, besonders von 3 Seiten belagert zu werden! Und dann platzte noch jemand 4. einfach so in das Meeting rein.

Auch hier:

  • Bauchgefühl beachten.
  • Man sollte auch als Teilnehmer in Meetings pünktlich sein!

6. Gespräch

NERVIG!!!!!!!!! Ich kam mir vor, wie ein dummer Azubi! Zuerst wurden die Standard-Fragen abgeklopft. Danach gab es ein IT-Quiz! Mir wurde in 3 Sätzen eine Problemstellung erklärt. Ich durfte nichts nachfragen und musste die passende Antwort mir aus den Haaren ziehen. Fies, unfair, hinterhältig. Ich bin da raus und kam mir verarscht vor.
Ein Beispiel?

„Ein Mitarbeiter hat sein Laptop mit nach Hause genommen. Er geht morgens in die Firma und möchte sein Outlook starten. Sein Outlook funktioniet nicht“…. Jetzt soll man auf die richtige Lösung kommen, ohne nachzufragen! Die Lösung war „Daheim hat der Kollege ein Heim-Netzwerk. Der Laptop ging beim Zuklappen in den Ruhezustand. Beim Aufklappen in der Firma hatte der Laptop die IP-Adresse von zu Hause und bezog sich keine neue IP-Adresse. Outlook funktioniert logischerweise nicht“

Auf sowas soll man kommen? Er hatte mich noch zwei andere Tests gefragt – auch da scheiterte ich logischerweise.
Wie schon geschrieben. Unfair!

7. Gespräch

Hier gab es 3 Personen, die mich abgrasten. Durch nun fast 10 Gespräche Erfahrung bin ich lockerer hin. Kannte die Standard-Fragen, hatte meine Routine. Gab recht clevere Antworten.
Hier gab es auch ein IT-Quiz. Es wurde aber gerade mal solides Admin-Grundwissen abgefragt „Wie bekomme ich eine IP-Adresse schnellstmöglich raus? Wo stelle ich Postfachbeschränkungen in Exchange ein? Erstellen sie eine einfache SQL-Abfrage. Was ist der Unterschied zwischen folgenden Datentypen?“

Nun ja. Da ich damals noch keine SQL-Kenntnissen hatte und kein Programmierer bin, fiel ich in 2/4 Fragen durch und beantworte 2/4 Fragen grandios, sodass sogar die 2 der anderen „Beobachter“ sich wunderten, wie gut ich bin…
War eine schöne Firma, hätte ich gerne angefangen.. Die notwendigen Kenntnisse hätte ich mir schnellstmöglich angeeignet. Schade..

Also – Bereitet euch auch auf sowas vor! Denkt dran, dass auch ein kleines IT-Quiz dran kommen kann. Mir passierte es schon gelegentlich mal in meiner recht jungen Job-Geschichte.

Zum Schluss wurde mir noch Büro oder IT-Raum gezeigt. Und ich staunte über die technische Ausstattung und dachte „Die brauchen ja eher ne Putzfrau als Kollegen – was gibts hier schon an Arbeit?“ Da lagen die Kabel im 90-Grad Winkel und die Server vom Feinsten!

8. Gespräch

Standard-Fragen. Freundlicher IT-Teamleiter, aber sehr unfreundlicher Abteilungsleiter. Und das unfreundlichste „Sie haben ja noch nicht soviel Erfahrung…“. Ich blieb locker, und dachte mir als ich heim bin: „Muss sowas sein? Dann ladet mich nicht ein, um mir das unter die Nase zu binden und sucht euch eure 40 jährigen Dipl.Infs!“

Auch da sagte das Bauchgefühl „Nein, danke. Holt euch nen abgebrannten Berufserfahrenen, den ihr runterhandeln könnt“

Dass diese Firma sich wochenlang nicht meldete, vor und nach dem Meeting, machte das ganze noch dreister.

9. Gespräch

Sehr gute Atmosphäre. Freundliche Standard-Fragen. Sehr freundliche Kollegen, die mich fragten. Leider war der Job nicht so wirklich was für mich (6 Tage-Woche, Schicht…). Ich glaub, das merkten die Anwesenden sehr schnell. Entweder bin ich für was oder nicht für etwas. Das entscheidet sich ziemlich schnell.
Ja, rückblickend wäre die Firma an sich ok gewesen. Nur die Aufgaben nicht wirklich. Selbst die Bezahlung war angemessen. Naja.

10. Gespräch

Sehr direktes, aber freundliches Gespräch. Legten schnell die Fakten auf den Tich und wollten auch, dass ich auch so offen bin. War natürlich für mich kein Problem. Hat mir zwar gefallen. Aber die Vertragskonditionen waren nicht wirklich so ideal (Probezeit, Gehalt Leiharbeiter-mäßig gering, befristet, tägliche Pendeldistanz 100km per Auto!). Kleine Firma… Wie auch immer. Zum Glück war ne andere Firma schneller. Ich hätte sonst wegen Druck der Arbeitslos-Zeit unterschreiben müssen.

11. Gespräch

Ein Witz! Ich wurde eingeladen. Sollte mich kurz vorstellen. Was mich schon wunderte war, dass sie nicht mal wussten, woher ich kam! Und als ich mich vorstellte und kurz präsentierte sagten sie mir „Da sind sie hier aber falsch. So jemand suchen wir nicht. Warum sie sich beworben haben verstehen wir nicht“. Ich war sowas von wütend. Blieb aber locker, ruhig. Man weiß nie, ob man sich zweimal sieht. Bedankte mich dennoch scheinheilig für das Gespräch und bin nach 5 Minuten raus.
Ich hätte können den Tisch zerschlagen! Ich hätte die zwei zum Teufel jagen können!
Ich war insgesamt FÜNF Stunden unterwegs gewesen, bei -3 Grad. Bekam nicht mal nen Kaffee angeboten und dann sagen mir zwei, ich seie hier falsch! Liest sich keiner die Bewerbung durch?

Die Stellenanzeige klang nach einem normalen IT-Job. Was die suchten war nen Elektriker.

12. Gespräch

Personalvermittlung. Lief recht locker ab. Hauptsächlich nur Abchecken des Eindrucks vom Bewerber und Personalbögen ausfüllen. Gab danach nie ne Reaktion von denen.

13. Gespräch

Teil a und Teil b. Unfreundlicher Vorgesetzter „Was haben sie beim alten AG verdient? Warum wollen sie das nicht sagen?“ (das muss man übrigens rechtlich auch nicht).Es gab sogar nen Kommentar mit „anhand der Lohnsteuerkarte sehen wir das ja sowieso“.

DAS war eigentlich einer der größten Arschloch-Touren, die mit mir als Bewerber abgezogen worden sind.

Unnötige Fragen „Warum sind sie so lange arbeitslos?“. Für das Meiste hatte ich meine Antworten ja schon laaaange bei anderen Gesprächen parat gelegt.

Im Teil B wurds dann noch bodenloser „Wir arbeiten täglich 10 Stunden midenstens- Halten sie sowas aus?“. Da dachte ich mir „Na klar, ich kann mir nichts traumhafteres vorstellen, als nen Hungerlohn für ne 50-60 h Woche zu bekommen“.

„Nein, bezahlte Überstunden gibts hier nicht. Jeder arbeitet soviel. Ausgleich auch nicht“.
Ich machte dann noch den Fehler, fast 2 Wochen auf deren Antwort zu warten. Irgendwann rüttelte mich meine Freundin wach, dass ich nicht mehr auf deren Antwort warten soll und mich weiter bewerben soll.

Zum Glück haben sie nen anderen Dummen gefunden! ECHT. Das war ein Saftladen.

14. Gespräch

Teil a, Standard-Fragen, 1h Zeit, Erklären der Stelle. Abchecken des Bewerbers.

Teil b: Die schlimmste, genialste, bohrendste und cleverste Personalerin, die ich in fast 20 Meetings getroffen hatte. Und die erste Personalerin, die mich so richtig ins Schwitzen brachte. Es war anstregend, stressig, die Frau war wirklich gut „Was ist für sie Servicegedanke? Was motiviert sie an dieser Stelle? Warum haben sie nicht studiert? Muss man nicht für diese Stelle gut in Mathematik sein?“ Die Fragen waren so gut gestellt, dass sie jede Antwort (ok – fast) mit einer Gegenfrage beantworten konnte und einen richtig aus der Reserve lockte.

Aber der Lohn der Mühe war ein Anstellungsvertrag!

15. Gespräch

Dieses Meeting bekam ich durch monster.de. Hauptsächlich wurde über die Firma und die Stelle geredet. Es ging dem Vorgesetzten wenig drum, was ich kann. Es gab kaum Standard-Fragen. Es ging nur drum, ob der Gedanke und die Art der Firma auf mich passten. Passte natürlich nicht. Das einzige, wo man nicht zweifeln gehabt hätte, wäre der Verdienst. Nach oben offen. Dafür: Keine richtigen Arbeitszeiten, keine Überstundenregelung, Freizeit, Überstunden Quasi täglich, Einsatz Weltweit….

16. Gespräch

War eine Münzwurf-Entscheidung. Das erste mal, dass ich Mitbewerber sah. Es lief in zwei Teilen ab.
Teil a: Ich wurde zum Personalvermittler bestellt. Dort wurden Standard-Fragen, recht freundlich gestellt. Personalien aufgenommen. Job und weitere Vorgehensweise erklärt.
Teil b: Es trafen sich 3 Bewerber in der Zielfirma. Zwei Verantwortliche erklärten uns 3 die Stelle. Danach wurden wir einzeln rein gebeten und wir sollten uns kurz – 10 Minuten – präsentieren. Ich hatte auch die Gelegenheit gehabt, mich mit anderen Mitbewerbern zu unterhalten.

Es war ne knappe Entscheidung, haben wohl alle Bewerber nen gutes Bild abgeliefert. Aber ich war der nicht dabei. Egal. War eh Zeitarbeit.

17. Gespräch

Das erste Gespräch war in drei Teile aufgeteilt. Erster Teil war mit dem Kollegen der Abteilung. Dieser Fragte Standard-Fragen, erklärte die Stelle, machte ein kurzes IT-Quiz. Erzählte mir aber, dass er nicht auf eine passende Lösung abzielt. Ihm war bewusst wie schwer die Fragen waren. Er wollte nur meinen Lösungsansatz kennen lernen. Erzählte mir, warum er mich einlud. Obwohl ich wenig IT-Erfahrung hatte. Das fand ich sehr freundlich. Berichtete, warum sie einen neuen Kollegen suchen.
Danach gabs Teil 2: Dort quetschte mich der Abteilungsleiter. Typischer Personaler. Sehr stressig. Aber der Mann wusste, was man fragt, was nicht und wie man die guten und schlechten Mitarbeiter herausfindet.
Teil 3 wurde ich in der Abteilung rund geführt und den anderen Kollegen vorgestellt. Hat mir sehr gut gefallen!
Leider Es war eine andere Firma schneller und zudem war diese andere Firma auch noch täglich pendelbar, im gegensatz zu der Firma die ich gerade beschrieben hab. Da hätte ich müssen sofort Umziehen oder mir eine Mietwohnung holen.

18. Gespräch

Hier hatte auch wohl jemand nicht die Bewerbung gelesen. „Was suchen sie für eine Stelle? Nein – da sind sie hier falsch“.

18. Gespräch

Personalbogen beim Personalvermittler ausfüllen.

Weitere Gespräche

Es folgten z.B. noch Meetings bei Personalvermittlern (Datensammler). Und manche Meetings sagte ich ab, da ich schon nen festen Job hatte.

Fazit

Nach fast 25 Meetings kann ich nur empfehlen: Bekommt Routine! Je mehr Gespräche ihr habt, desto besser werdet ihr. Verbessert eure Antworten, in dem ihr euch Notitzen über Gesprächsinhalt macht. Übt mit Bekannten.
Aber lernt keine Antworten auswendig. Lernt in Kategorien.
Ich war irgendwann so weit, dass ich – leider – Routine drin hatte. Und das solltet ihr auch bekommen.

Auch, wenn es vielleicht komisch klingt: Bewerbt euch auch bei Firmen, die euch nicht interessieren und „übt“. Dann steht ihr bei euren Wunschfirmen nicht dämlich da, weil ihr keine Erfahrung und keine Ziele habt.

Jedes Meeting ist für mich ein Stück Lebenserfahrung und Berufserfahrung und Menschenkenntnis gewesen. Ich habe in fast jedem Meeting etwas gelernt. Leider auch viel Negatives.

Bleibt einfach am Ball. Die ersten Paar Gespräche werden sicher nicht so positiv verlaufen, wie ihr das wollt. Lernt draus!